Fünf Erlebnisse mit den Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum. So vielfältig und spannend wie unsere Welt.
Hanna Jansens Erzählung zum Christentum:
Simon
Simon hat jemanden niedergeschlagen. Er flüchtet sich in eine Kirche, eigentlich der letzte Ort, wo er sein möchte. Doch hier wird ihn niemand suchen, davon ist er überzeugt.
Presse
Ob Kalpana, Shannon, Simon, Tarik und Schoscha das auch so einfach sehen? ,Mensch sucht Sinn‘ heißt das Buch, das sich spannend und informativ mit den Weltreligionen beschäftigt. Um Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum geht es darin. Um Reisen im Kopf also und den Glauben an die eigenen Träume.
(Frankfurter Allgmeine Sonntagszeitung, 18.07.04)
Der dritten monotheistischen Religion ist die stilistisch einfallsreichste Geschichte gewidmet. Hanna Jansen lässt den dicken Simon in einer Kirche stranden.
Die klassische Bekehrungsgeschichte kehrt wieder als stakkatohaft dargebotene erlebte Rede, die uns Simons Seele aufschließt.
(Süddeutsche Zeitung, 06.08.04)
In den fünf Geschichten der Anthologie ,Mensch sucht Sinn‘ werden die fünf Weltreligionen lebendig. Die Erlebnisse der Jugendlichen helfen besser als manche Theorien der Alten zum gegenseitigen Verständnis. In einer konfliktgeladenen Welt ist solch ein Buch ein wichtiges Instrument der Friedenspädagogik.
(Professor Dr. Hans Küng)
Die Geschichte von Simon, einem 14-Jährigen, der eine Heimkarriere hinter sich hat, das Haus seiner Pflegeeltern verlassen musste, obdachlos ist, rumhängt. Wenn Hanna Jansen diese Geschichte, die überall auf der Welt spielen könnte, in Siegburg liest, bekommt sie eine eigene Variante. Man erkennt den ,Big Apple‘ am Bahnhof, den Schotterparkplatz, die Imbissbude, auch das Don Bosco-Haus. Man erkennt vielleicht sogar die Streetworkerin, die jahrelang in der Innenstadt präsent war, auch wenn ihr Äußeres ganz anders beschrieben wird.
Doch das ist nicht das Wesentliche. ,Was ist denn für mich das Wesentliche des Christentums?‘, habe sich Hanna Jansen während der Arbeit immer wieder fragen müssen. Sie hat es beantwortet. ,Radikal modern‘, wie ein Mann aus dem Publikum ihr denn auch bescheinigte.
(Rhein-Sieg Rundschau, 30.04.04)
Die Geschichte zum Christentum wird durch Simon erzählt. Sie liest sich wie ein Krimi.
Simon gehört zu den Kindern, die auf der Schattenseite des Lebens geboren wurden. Die Eltern haben sich nicht gekümmert, ihn nicht geliebt, Heim, Pflegeeltern, Heim, Ausbruch, Kriminalität, Sackgasse. Das sind seine Lebenssituationen. Bei einer Flucht vor der Polizei versteckt er sich in einer christlichen Kirche, wo er sein Leben Revue passieren lässt, ein dejavue erlebt und schließlich weiß, was er tun muss.
(Radio Ostfriesland, Radio Oldenburg „Das literarische Kabinett“ im April 2004)
Keine der Geschichten will die LeserInnen belehren oder gar bekehren, auch wenn die jeweiligen AutorInnen der jeweiligen Religion angehören. Allen gemeinsam ist es zu zeigen, dass Religion etwas mit dem Leben zu tun hat, mit der Art, Dinge zu beurteilen und mit einer entsprechenden Handlungsweise. Dass die Jugendlichen der einzelnen Geschichten durchaus lebendig und pubertär agieren, erleichtert den Zugang, macht ihr Fragen glaubwürdig.
Ein äußerst ansprechender, auch äußerlich gefälliger Band über die Weltreligionen, der sich nicht mit trockener Theorie begnügt, sondern in und mit spannenden Erzählungen dem menschlichen Bedürfnis nach Antworten auf wesentliche Fragen entgegen kommt.
(1000 und 1 Buch, Mai 04)
Leseprobe
Hanna Jansen: „Simon“
Als die schwere Tür mit einem dumpfen Knall hinter Simon zuflog, zuckte er zusammen, als wäre geschossen worden, er hielt sich die stechenden Seiten und blieb keuchend stehen, wie festgenagelt. Vor seinen Augen, von der grellen Sonne noch geblendet, lauter Schatten, sodass er kaum etwas erkennen konnte. Er kniff sie ein paar Mal zu, bis sie sich an den krassen Unterschied zwischen drinnen und draußen gewöhnt hatten, und erst jetzt, als er den Kopf hob und die Spitzbögen sah, wurde ihm klar, wohin er geraten war.
„Scheiße!“, zischte er. Er wollte raus, sofort, aber er musste bleiben, er hatte keine andere Wahl, denn die beiden Bullen aus dem Stehcafé waren die ganze Zeit hinter ihm her gewesen. Zwar hatte er sie in einer der Seitengassen kurz abgehängt, aber sie waren ihm garantiert bis zum Markt gefolgt und wenn er jetzt da rausging, auf den freien Platz, hatten sie ein leichtes Spiel.
Es roch muffig, nach Kirche eben. Diesen Geruch kannte er zur Genüge. Es war zwar ziemlich lange her, doch als er noch bei den Nonnen gewohnt hatte, musste er ihn beinah jeden Sonntagmorgen aushalten. Und dazu das endlose Gelabere des Pastors.
Er schnaufte und zog die Nase hoch, in der jetzt etwas anderes den Muff verdrängte. Er roch sich selbst. Kein Wunder! Er dampfte. So gerannt wie eben war er noch nie und seit er so zugenommen hatte, dass er aus allen Nähten platzte, schwitzte er schon bei der kleinsten Bewegung. Außerdem hatte er sich seit Tagen nicht mehr gewaschen.
Abwesend starrte er auf seine dreckigen Turnschuhe, aus denen die Schnürsenkel hingen. Er war beim Rennen drüber gestolpert und fast hätte er einen der Schuhe verloren. Das eben da draußen war der reinste Horror gewesen!
Er schnappte nach Luft und versuchte sich zu beruhigen. Rogers und Eismanns Stimmen spukten ihm durch die Ohren: „Hey, Junge, was soll denn die Panik? Immer schön cool bleiben.“
Die Vollidioten! Dauernd mischten die sich in irgendwas ein. Dabei kannte er sie gar nicht besonders gut, wusste noch nicht mal, wieso Eismann eigentlich Eismann hieß. Auf die konnte er verzichten, er war sowieso lieber allein!
Plötzlich zitterten seine Beine und gaben nach, als ob er Pudding in den Knochen hätte. Während er sich zur hintersten Bankreihe schleppte, hörte er seine Füße über den Steinboden schleifen, dabei fiel ihm auf, wie still es sonst war.
Obwohl er auf gar keinen Fall bleiben wollte, zwängte er sich in die enge Lücke und ließ sich fallen.
Oh Mann!, dachte er. Wie komm ich bloß hier raus!?
Er stierte nach vorne, seine Augen, inzwischen an das schummerige Licht gewöhnt, registrierten jetzt Einzelheiten und er stellte erleichtert fest, dass die Bankreihen vor ihm leer waren. Außer ihm kein Mensch zu sehen.
Diese Kirche war ganz schön alt und nicht besonders groß. Von außen kannte er sie schon lange, er kam oft vorbei, aber er war noch nie drinnen gewesen.
Vor seiner Nase am Ende des Raums bis zur Decke drei Fenster mit bunten Scherbenbildern. In der Mitte ein hellgrauer Steinklotz, auf dem ein schneeweißes Tischtuch lag. Oben drauf ein großer Kerzenleuchter und ein aufgeschlagenes Buch. Links an der Wand Maria aus Holz, auf dem einen Arm ihr Kind, der andere ausgestreckt mit einem Stab in der Hand. Sie hielt ihn wie einen Stock, mit dem sie drohte, fand Simon.
Endlich hörte er auf zu zittern, er wischte sich den Schweiß vom Gesicht und aus den brennenden Augen und lehnte sich zurück.
Mensch, reiß dich zusammen!, sagte er zu sich selbst. Denn plötzlich ging in ihm was los, Bilder rasten durch seinen Kopf wie im Film, er konnte nichts machen. Und zwischendurch tauchte immer wieder der Blick auf, dieser Blick, der ihn bis hierher gejagt hatte, mehr noch als die Bullen. Und der ihn einfach nicht losließ.
Übersetzungen
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Spanien:
Anthologie
"El sentido de la vida "
159 Seiten
Salamandra, 2005
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Slovenien:
Anthologie
"Moj Bog, Tvoj Bog "
197 Seiten
Mladinska knijga, 2005
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